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Österreich sucht Weg aus Mountainbike-Chaos!

11. Juni 2026 Hannes Wallner Radkrone

                    Österreich sucht Weg aus Mountainbike-Chaos!

Das Mountainbiken ist längst kein Sport für ein paar Wilde mehr. E-Bikes haben Forststraßen, Almwege und Berge erobert. Doch rechtlich ist vieles verboten, was längst Alltag ist. Jetzt soll eine bundesweite Strategie Ordnung in den Wald bringen., 

Früher galten Mountainbiker als die Rebellen der Berge. Heute sieht die Realität anders aus: Familien radeln auf Forststraßen, Senioren fahren mit dem E-Bike zur Alm und Urlauber suchen entspannte Panoramatouren. Das Mountainbike ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen allerdings nicht.

Beim Mountainbike-Kongress, der noch bis heute, Donnerstag, in Saalbach, stattfindet, traf die „Radkrone“ Karl Morgenbesser von den beliebten Wexl Trails in St. Corona am Wechsel und den ehemaligen Intersport-CEO Thorsten Schmitz.

Die beiden Mountainbike-Experten wurden vergangenen Herbst von der Bundesregierung beauftragt, eine österreichweite Mountainbike-Strategie zu erarbeiten.

Radfahren verboten – und kaum jemand weiß es
Der Auftrag ist anspruchsvoll. Denn beim Thema Mountainbike treffen unterschiedlichste Interessen aufeinander: Sportler, Tourismus, Grundeigentümer, Forstwirtschaft, Jagd, Naturschutz und Gemeinden.

Über allem steht eine Tatsache, die vielen gar nicht bewusst ist: Radfahren im österreichischen Wald ist grundsätzlich verboten.

„Eigentlich müsste auf jedem verkauften Mountainbike ein Hinweis hängen, dass man es in Österreich gar nicht nutzen darf“, so Schmitz. Genau hier soll die neue Mountainbike-Strategie ansetzen. Nicht als Freibrief für alle Wege, sondern als Grundlage für ein geregeltes Miteinander.

Alle Beteiligten an einen Tisch
Morgenbesser und Schmitz verstehen sich dabei nicht als Lobbyisten der Radfahrer: „Unsere Aufgabe ist es, die unterschiedlichen Interessen zusammenzuführen.“

Mehr als 300 Personen wurden bereits in den Prozess eingebunden. Es gab Workshops in den Bundesländern und einen großen Bundesworkshop im Mai. Die Erfahrungen überraschten selbst die Projektverantwortlichen.

„Wir haben kaum jemanden getroffen, der gesagt hat: Radfahrer raus aus dem Wald“, berichtet Morgenbesser. „Die meisten haben erkannt, dass das Thema wächst und es dringend Lösungen braucht.“

Das E-Bike verändert alles
Der größte Treiber dieser Entwicklung ist das E-Bike. Es hat das Mountainbiken für breite Bevölkerungsschichten geöffnet und viele Menschen erstmals auf das Rad gebracht. Damit steigt eben auch der Druck auf Wege, Almen und sensible Naturräume.

Die Strategie soll laut Morgenbesser und Schmitz deshalb zunächst klären, wer überhaupt unterwegs ist. Denn den typischen Mountainbiker gibt es längst nicht mehr. Trailfahrer, Tourenradler, Familien, Genuss-E-Biker, Jugendliche und Gäste haben völlig unterschiedliche Bedürfnisse.

„Wir müssen wissen, für wen wir Angebote schaffen“, sagt der ehemalige Intersport-CEO: „Eine Forststraße erfüllt andere Anforderungen als ein sportlicher Trail.“ Das Ziel der Mountainbike Koordination Österreich lautet daher nicht, alle Wege freizugeben. Vielmehr sollen dort legale Angebote entstehen, wo sie tatsächlich gebraucht werden.

Gleichzeitig müssen Wildruhezonen, Jagd, Almwirtschaft, Forstarbeit und Naturschutz berücksichtigt werden. Es braucht eine „intelligente Freizeit- und Raumplanung“: Wo kann Radfahren stattfinden? Wo braucht die Natur Ruhe?

Besonders wichtig sind die „Home-Trails“, also wohnortnahe Strecken für Einheimische. Ergänzt werden sollen diese durch touristische Hotspots wie Saalbach oder Leogang, wo Mountainbiken ein bedeutender Wirtschaftsfaktor geworden ist.

Hilfe für Vereine und Gemeinden
Ein Problem sind die oft komplizierten Genehmigungsverfahren. Selbst wenn Grundeigentümer, Mountainbiker und Gemeinde an einem Strang ziehen, können Haftungsfragen, Versicherungen und Behörden Projekte jahrelang verzögern. Hier soll die Strategie konkrete Hilfestellung bieten – mit Musterverträgen, klaren Abläufen und praktischen Leitfäden für Gemeinden und Vereine.

„Wir wollen kein Papier für die Schublade“, betont Morgenbesser: „Entscheidend ist, dass die Ergebnisse auch umgesetzt werden.“ Bis zum Sommer soll ein erster Entwurf vorliegen. Die endgültige Präsentation ist für Anfang 2027 geplant.

Denn eines steht fest: Das Mountainbike ist gekommen, um zu bleiben. Die entscheidende Frage lautet nun, ob es gelingt, die Interessen von Natur, Grundeigentümern und Radfahrern dauerhaft unter einen Helm zu bringen. Hannes Wallnerhannes.wallner@kronenzeitung.at

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